Sensorgestützte Stadtgrünpflege

In den letzten Jahren rückt die Bedeutung von Grünflächen in Städten immer mehr in den Fokus. Sie dienen nicht nur als Erholungs- und Freizeiträume für die Bewohner, sondern tragen auch zur Verbesserung der Luftqualität und des Stadtklimas bei. Um diese Grünflächen effizienter und nachhaltiger zu pflegen, hat eine innovative Technologie Einzug gehalten: die sensorgestützte Stadtgrünpflege. Wie die Stadt Jena diese Möglichkeiten und neuen Wege ausprobiert, erfahren Sie im heutigen Digitalen Donnerstag.

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Mann bewässert einen Busch in einem Stadtpark
Bewässerung des Stadtgrüns

Bild: Freepik/pch.vector

Die Rolle des Stadtgrüns

Stadtgrün umfasst alle begrünten Freiflächen wie Stadtparks, Wiesen und Wälder, aber auch begrünte Gebäude zum Beispiel durch eine Fassaden- und Dachbegrünung.

Dabei übernimmt es „vielfältige soziale, gesundheitliche, wirtschaftliche, ökologische und klimatische Funktionen und leistet insgesamt einen zentralen Beitrag für die Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität in den Städten“ (BMWSB - Grün in der Stadt (bund.de))

In der Stadt Jena übernimmt der Kommunalservice (KSJ) die Aufgabe der Stadtgrünpflege.

Klimatische Herausforderungen

Die aktuellen und auch zukünftigen Klimabedingungen wie zum Beispiel vermehrte Trocken- und Hitzeperioden lassen das Stadtgrün zunehmend leiden. Die flächendeckende Versorgung des Stadtgrüns gestaltet sich aktuell in Jena insbesondere in der Vegetationsperiode aufgrund von Trockenheit, Hitze und Wasserknappheit immer schwieriger. 

Dabei kann ein intaktes und üppiges Stadtgrün das Stadtklima verbessern bzw. stabilisieren und negative Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Wärmeinseleffekte, Lärm und Feinstaub mildern. Gleichzeitig trägt es zum Wohlbefinden der Bewohner:innen durch seine (auch Jahreszeiten bedingte) Gestaltungskraft und identitätsstiftende Merkmale bei.

Sensortechnik im Bereich Stadtgrünpflege 

Sensoren, die in der Stadtgrünpflege eingesetzt werden, erfassen verschiedene Umweltparameter wie Bodenfeuchtigkeit, Nährstoffgehalt, Temperatur und Lichtintensität. Diese Daten werden in Echtzeit an eine zentrale Steuerungseinheit übermittelt, die dann automatisch die notwendigen Maßnahmen zur Pflege der Grünflächen einleitet.

Sensorgestützte Stadtgrünpflege als Maßnahme im Smart City Projekt Jena

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Auf dem linken Teil des Bildes sieht man einen blauen Sensor, der in einem Erdloch versenkt wird. Auf dem rechten Teil schaufelt ein Mann das Loch zu.
Einsatz von Baumsensoren
Stadt Jena
 Bodenfeuchtesensors wird verbaut 

© Stadt Jena

Im Smart City Projekt soll somit die Bewässerung der Bäume in Jena effizienter, bedarfsgerechter und ressourcenschonender gestaltet werden. Dazu wird ein stadtweites Sensorennetz aufgebaut , mit dem auf definierten Referenzflächen die Bodenfeuchte gemessen wird. Die Informationen der Sensordaten werden über LoRaWAN-Technologie in Echtzeit auf die Urbane Datenplattform „WISSENsAllmende Jena“ übertragen. Auf Grundlage dieser Daten wird eine bessere Anpassung der benötigten Gießmengen möglich sowie eine effizientere Planung der Gießrouten. Bäume, die aufgrund ihrer Standorte (z.B. hohe Trockenheit) oder ihres Alters (Jungbäume und Neuanpflanzungen) einen erhöhten Wasserbedarf haben, werden dann mit entsprechend hoher Priorität von den Baumpflegern gegossen. Daneben soll an zentralen Stadtbäumen, die auf stark versiegelten Flächen stehen und zudem mit dem Gießwagen schwer erreichbar sind, eine automatische Bewässerung (über ein Tanksystem o.ä.) getestet werden.

Das Smart City Projekt hat bereits zum Test verschiedene Arten von Bodenfeuchtesensoren angeschafft. Mit Unterstützung der Mitarbeitenden von KSJ wurden diese bereits an verschiedenen Bäumen in Jena verbaut. Aktuell soll eruiert werden, welche Technik sich am besten eignet, wie zuverlässig die Messdaten ankommen und welche Informationen sich in Abhängigkeit vom Wetter, von der Baumart, dem Baumalter und von der Messtiefe aus den Werten ableiten lassen.

Stadtgrünpflege als Gemeinschaftsaufgabe

Die Grünpflege als Gemeinschaftsaufgabe wahrzunehmen, fördert nicht nur das Umweltbewusstsein der Bürger:innen, sondern stärkt auch den Gemeinschaftssinn und das Verantwortungsbewusstsein für die städtischen Entwicklungen. Dies zeigt auf, wie Technologie, Nachhaltigkeit und Bürger:innenbeteiligung einen Beitrag für eine nachhaltige und zukunftsfähige Stadt leisten kann. Die Sensordaten sollen deshalb im Rahmen des Smart City Projektes Jena in einem Kartenformat visuell aufbereitet und den Bürger:innen zur Verfügung gestellt werden. Beteiligungsformate wie Gießtage oder Baumpatenschaften sollen hier integriert werden.

Gemeinsam voneinander lernen und Wissen teilen

Es gibt bisher nur wenige Städte, die solche Sensortechnik zur Optimierung der Stadtgrünpflege einsetzen. Die Stadt Jena sammelt durch das Modellprojekt Smart City wichtige Erfahrungen, von denen auch viele andere Kommunen profitieren können. Zwischen den verschiedenen Modellprojekten Smart Cities aber auch mit anderen Kommunen findet ein regelmäßiger Austausch zu den verschiedenen Themen statt. Die Lösungen, die von einem Modellprojekt oder gemeinsam entwickelt werden, sollen als Open-Source-Varianten allen Kommunen zukünftig zur Verfügung gestellt werden. So können die Kommunen gemeinsam von ihren Erfahrungen lernen und bereits getestete Sensortechnik und Softwareentwicklungen weiternutzen.

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