No-Code, Vibe-Coding und Verwaltung: Muss man heute noch programmieren können?
Die Digitalisierung der Verwaltung steht an einem spannenden Punkt: Noch vor wenigen Jahren war klar – wer digitale Lösungen entwickeln will, muss programmieren können. Heute ist das nicht mehr ganz so eindeutig. Neue Werkzeuge machen es möglich, auch ohne tiefes technisches Wissen Anwendungen zu erstellen oder Prozesse zu automatisieren.
Das klingt zunächst sehr technisch. Im Kern geht es aber um etwas ziemlich Praktisches: Menschen mit guten Ideen können schneller ausprobieren, ob aus ihrer Idee eine brauchbare digitale Lösung werden kann. Dafür müssen sie nicht unbedingt Informatik studiert haben. Aber wie kommt man eigentlich rein in diese Welt?
Lernen ohne Hürde: Hackathon und Fachgruppen
Ein guter Einstieg sind Formate wie Hackathons „Hack the paradise!“ oder die Fachgruppe Künstliche Intelligenz „JENA.AI Live“.
Hier geht es nicht darum, perfekt zu sein oder alles schon zu können. Im Gegenteil: Man lernt gemeinsam, probiert Dinge aus und entwickelt Ideen weiter. Ganz praktisch, ganz niedrigschwellig.
Ein Beispiel aus dem Hackathon: das Thema Prompt Engineering. Hinter dem Begriff steckt nichts anderes als die Frage: Wie formuliere ich meine Anfrage an eine KI so, dass ich ein gutes Ergebnis bekomme?
Genau das haben wir dort ausprobiert – und die Erkenntnisse anschließend in der Fachgruppe JENA.AI Live weitergegeben. Es wurde gemeinsam getestet, diskutiert und verbessert.
Das zeigt: Man kann sich solche Kompetenzen Schritt für Schritt aneignen – ohne technischen Hintergrund, aber mit Neugier und Lust am Ausprobieren.
Verwaltung ist kein Start-up – und das ist auch gut so
Was in solchen offenen Formaten oft leicht wirkt, ist in der Verwaltung nicht immer direkt übertragbar.
Eine Stadtverwaltung ist kein Experimentierraum ohne Regeln. Gerade kommunale Anwendungen müssen zuverlässig funktionieren. Sie müssen verständlich, sicher und nachvollziehbar sein. Außerdem gilt es die Rahmenbedingungen einzuhalten:
- Datenschutz spielt eine zentrale Rolle
- Laufende Kosten, Wartung und Pflege müssen langfristig eingeplant werden
- Richtlinien und Dienstanweisungen müssen eingehalten werden, darunter auch externe Vorgaben, etwa im Bereich kritischer Infrastrukturen (KRITIS), setzen klare Grenzen
Das bedeutet: Nicht jede Idee lässt sich sofort umsetzen. Und nicht jedes Tool darf einfach genutzt werden.
Diese Anforderungen sind wichtig – sie sorgen für Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen. Auch wenn das gleichzeitig bedeutet, dass sie Innovation manchmal langsamer machen. Digitale Lösungen sollen nicht aus Selbstzweck entstehen, sondern konkrete Herausforderungen der Stadt aufgreifen.
Zwischen Offenheit und Verantwortung
Trotzdem bewegt sich etwas: Die Verwaltung wird offener für neue Formate, neue Technologien und neue Wege des Lernens. Dafür müssen aber auch intern neue Leitlinien geschaffen werden, wie z.B. durch eine Daten- oder KI-Strategie.
Hackathons und Fachgruppen wie JENA.AI Live oder Smart City sind genau solche Räume. Hier kann ausprobiert werden, ohne gleich alle Anforderungen erfüllen zu müssen. Hier entsteht Verständnis, Austausch und manchmal auch der erste Schritt in Richtung Umsetzung.
Fazit: Keine Grenze – sondern ein bewusster Rahmen
Die Antwort auf die Ausgangsfrage lautet also: Nein, man muss heute nicht immer selbst programmieren können, um an digitalen Lösungen mitzuarbeiten. Aber man muss wissen, welches Problem gelöst werden soll. Aber die Verwaltung kann nicht so frei agieren wie ein Start-up. Aber das ist keine Schwäche, sondern Teil ihres Auftrags.
Die bestehenden Regeln sind keine unüberwindbare Grenze – eher ein Hürde, die bewusst berücksichtigt werden muss.
Die Stadt Jena zeigt, wie man damit umgehen kann: indem sie Räume schafft, in denen Neues gedacht und getestet werden darf. Der Hackathon ist ein gutes Beispiel dafür.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Man muss heute nicht alles können – aber man sollte bereit sein, dazuzulernen. Gemeinsam, offen und Schritt für Schritt.