Zwischenstand im Smart City Projekt Jena: Was jetzt zählt und was bleiben soll
Noch rund 18 Monate – dann endet die Förderlaufzeit im August 2027 des Smart City Projekts Jena. Hinter uns liegt bereits eine lange, intensive Strecke. Und vor uns liegt eine Phase, in der vieles entscheidet: Was bleibt – und wie bleibt es?
In den vergangenen Jahren lag der Schwerpunkt unserer Arbeit vor allem auf der kontinuierlichen Umsetzung aller geplanten Maßnahmen. Schritt für Schritt – und oft parallel in vielen Teilprojekten – haben wir aufgebaut, getestet, verbessert und gemeinsam mit Partnern umgesetzt. Dass dabei bereits wichtige Meilensteine erreicht wurden, zeigt: Das Projekt ist nicht nur Strategie auf dem Papier, sondern kommt in der Stadt an.
Jetzt, in der verbleibenden Zeit, rückt eine Frage noch stärker in den Mittelpunkt: Wie verstetigen wir möglichst viele Vorhaben über die Förderung hinaus? Denn auch wenn es nach außen manchmal ruhig wirkt, passiert hinter den Kulissen gerade sehr viel – in Abstimmungen, Gremienläufen, Betriebskonzepten, Partnergesprächen und Finanzierungsfragen. Smart City ist für uns keine Spielwiese, sondern ein Arbeitsprogramm: Wir entwickeln Lösungen, die im Alltag helfen – für unterschiedliche Zielgruppen in Jena.
Unser Anspruch ist klar: Jena soll nicht „aufhören“, smart zu sein, wenn die Förderung endet – sondern dann erst so richtig im Alltag angekommen sein.
Was „Verstetigung“ bei uns ganz konkret bedeutet
Das Smart City Projekt Jena ist Teil des Förderprogramms „Modellprojekte Smart Cities“ des Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Für Jena heißt das: ein Projekt mit einer klaren Vision „Jena digitalisiert, lernt und teilt. Unsere Stadt schafft und nutzt Wissen für eine gerechte, nachhaltige und innovative Stadt.“, einem Fördervolumen von 17,45 Mio. Euro und einer Förderquote von 90 % – aber eben auch mit einem festen Enddatum, dem 31.08.2027.
Darum arbeiten wir aktuell besonders intensiv an Fragen wie:
- Wer betreibt ein Angebot nach Projektende – und in welcher Struktur?
- Welche Finanzierung ist realistisch (städtisch, Partner, Mischmodelle)?
- Welche Qualitätsstandards und Prozesse müssen stehen, damit es langfristig funktioniert?
- Was lässt sich in bestehende Strukturen integrieren – und wo braucht es neue Kooperationen?
Wie geht’s nach 2027 weiter? Drei Beispiele – stellvertretend fürs ganze Portfolio
In diesem DigiDo schauen wir exemplarisch auf drei Projekte bei denen wir schon einige Erfolge erzielen konnten und die Aufzeigen, wie unterschiedlich die Verstetigung der Maßnahmen aussehen kann.
Smarte Kitas: Digitale Kompetenzen in der frühkindlichen Bildung – sicher, kreativ, alltagsnah
Digitale Medien gehören längst zur Lebenswelt von Kindern – und damit auch zum Kita-Alltag. Damit Fachkräfte Kinder altersgerecht begleiten und Eltern gut beraten können, stärkt das Projekt „Smarte Kitas“ gezielt die digitale Kompetenz in der frühkindlichen Bildung.
Dafür setzt das Projekt auf mehrere Bausteine: Mediencoaches als Multiplikator:innen in den Einrichtungen, Basisschulungen für pädagogische Fachkräfte, ein Medienexpert:innen-Netzwerk zum Austausch und eine Medienkiste mit praxisnahen Materialien.
Bis zu zwei pädagogische Fachkräfte pro Jenaer Kita können sich über ein Jahr hinweg zu Mediencoaches qualifizieren. Das Netzwerk verbindet Mediencoaches, pädagogische Fachkräfte und externe Expertinnen und Experten mit dem Ziel strukturierten Austausch von Erfahrungen, Best Practices und neuen Entwicklungen im Bereich Medienbildung zu etablieren. Das Netzwerk soll als nachhaltige Struktur über die Projektlaufzeit hinaus fortbestehen.
Für die Verstetigung und Skalierung in die Thüringer Fläche gibt es bereits Gespräche mit verschiedenen Thüringer Ministerien. Das erarbeitete Curriculum steht allen Thüringer Kommunen über unsere Webseite frei zur Verfügung.
Gesundheit: Telemedizinraum und Gesundheitsapartments
Im Smarten Quartier Jena-Lobeda wird Telemedizin nicht nur diskutiert, sondern praktisch erprobt: Der Telemedizinraum ist als niedrigschwelliger Zugang gedacht – digital und gleichzeitig persönlich begleitet. Die Lage des Telemedizinraums in Jena, unmittelbar in der Nähe des Uniklinikums, war für die Umsetzung des Vorhabens und die Etablierung relevanter Ablaufprozesse sehr förderlich. Da die Versorgungslage in einer Großstadt jedoch zu abgedeckt ist, ist eine Übertragung und Etablierung im ländlichen Raum das Ziel. Deshalb soll der Telemedizinraum nun in zwei Thüringer Kommunen erprobt und etabliert werden.
Das Universitätsklinikum Jena hat die Gesundheitsapartments zum 01.01.2026 übernommen und wird die Räume weiterhin für die teilstationären auch tagesstationäre Unterbringung der Patient:innen nutzen. . Damit ist aus Sicht des Smart City Projekts ein zentrales Ziel erreicht: Die Gesundheitsapartments wurden verstetigt – ein echter Erfolg und ein wichtiger Schritt für alle Projektbeteiligten, weil das Angebot nun in verlässlichen Strukturen weitergeführt werden kann.
Sensorgestütze Stadtgrünpflege
Mit der Maßnahme verbindet sich das Ziel mittels Bodenfeuchtesensorik Aussagen zur Vitalität und damit zum tatsächlichen Wasserbedarf von Stadtbäumen abzuleiten, um perspektivisch Bewässerungsressourcen (Personal, Gießwasser) effizienter einzusetzen bzw. einzusparen. Um die gesammeltem Daten Hier arbeiten wir eng mit dem Kommunalservice Jena zusammen, welcher zukünftig die verbauten Sensoren im Stadtgebiet in Wartung und Pflege übernimmt.
Unser Fazit: Wir bleiben dran
Die nächsten 18 Monate nutzen wir, um aus Projekten dauerhafte Angebote zu machen – mit klarer Zielgruppe, echtem Nutzen und tragfähigen Strukturen. Dabei liegt unser Fokus jetzt noch stärker auf der Verstetigung der Projektergebnisse: Vor dem Hintergrund der anstehenden Haushaltsplanung für das Doppeljahr 2027/2028 prüfen wir frühzeitig, welche nachhaltigen Strukturen und Finanzierungsoptionen tragfähig sind. Unser Ziel ist es, Maßnahmen nicht nur in Jena und der Region zu sichern, sondern sie – wo sinnvoll – auch zu skalieren, zu transferieren und überregional bzw. auf Landesebene wirksam zu verankern.
Kurz gesagt: Wir denken über August 2027 hinaus. Jena soll nicht „aufhören“, smart zu sein, wenn die Förderung endet – sondern dann erst so richtig im Alltag ankommen.