Wenn Bäume Durst haben, helfen Daten
Die aktuellen Temperaturen zeigen sehr deutlich, worum es bei Klimaanpassung in der Stadt konkret geht: 35 bis 40 Grad, aufgeheizte Straßen, trockene Böden und Stadtbäume, die in Hitzeperioden zunehmend unter Stress geraten. Stadtgrün ist für Jena deshalb weit mehr als ein schöner Anblick. Bäume spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung, filtern die Luft, binden Staub und verbessern damit an heißen Tagen deutlich die Aufenthaltsqualität auf Straßen, Plätzen und Wegen.
Doch genau dieses Stadtgrün steht immer stärker unter Druck. Längere Trockenphasen, hohe Temperaturen, verdichtete Böden und versiegelte Flächen erschweren die Versorgung der Bäume mit ausreichend Wasser. Die Bewässerung im Stadtgebiet ist deshalb eine enorme Aufgabe. In Jena kümmert sich der Kommunalservice Jena (KSJ) um die Pflege und Bewässerung des öffentlichen Grüns. In Hitzeperioden wird das allerdings immer anspruchsvoller: Viele Standorte benötigen gleichzeitig Aufmerksamkeit, klassische Gießrouten stoßen an Grenzen und Wasser soll möglichst gezielt dort eingesetzt werden, wo es tatsächlich gebraucht wird.
Sensoren messen, wo Wasser gebraucht wird
Genau hier setzt die Maßnahme „Sensorgestützte Stadtgrünpflege“ im Smart City Projekt Jena an. An ausgewählten Baumstandorten werden Bodenfeuchtesensoren eingesetzt. Sie messen in unterschiedlichen Tiefen, wie viel Wasser im Boden tatsächlich verfügbar ist. Dadurch entsteht ein genaueres Bild davon, wie sich die Bodenfeuchte über die Zeit entwickelt und wann ein Standort wirklich trocken ist.
„Gerade in längeren Hitze- und Trockenphasen hilft uns jede verlässliche Information aus dem Boden. Die Sensoren können uns künftig dabei unterstützen, Bewässerung noch gezielter zu planen und unsere Kolleginnen und Kollegen in der Stadtgrünpflege zu entlasten. Denn es macht einen großen Unterschied, ob wir nach festen Routen gießen oder eine bedarfsgerechte Bewässerung gebraucht wird“, sagt Olivia Busch, Smart-City-Teilprojektleiterin.
Nicht jeder Baum im Stadtgebiet kann und soll mit Sensoren ausgestattet werden. Deshalb arbeitet die Stadt mit sogenannten Referenzflächen. Das bedeutet: Baumstandorte in ähnlicher Lage, mit ähnlichen Bedingungen werden zusammengefasst. Pro Referenzfläche werden bis zu fünf Sensoren in verschiedenen Tiefen installiert. Aus den Messwerten lassen sich dann Rückschlüsse auf vergleichbare Standorte ziehen. So kann mit einer begrenzten Zahl an Sensoren trotzdem ein möglichst aussagekräftiges Bild entstehen.
Daten für gezieltere Bewässerung
Die eingesetzten Sensoren senden ihre Daten über das LoRaWAN-Netz der Stadt. LoRaWAN ist eine Funktechnologie, die besonders gut geeignet ist, um kleine Datenmengen energieeffizient über größere Strecken zu übertragen. Die gemessenen Bodenfeuchtedaten werden in städtischen Datenbanken gespeichert und auf einem Dashboard für die Mitarbeitenden des KSJ ausgewertet und visualisiert.
Mit den Daten sollen ein zusätzliche Entscheidungsgrundlage geschaffen werden, um Gießgänge effizienter und bedarfsgerechter zu planen. Wasser soll gezielter eingesetzt und Wege besser koordiniert werden.Auch für Bürgerinnen und Bürger sollen die Informationen sichtbarer werden. Abgerufen werden sollen die Sensordaten künftig über die urbane Datenplattform und mithilfe einer visuellen Benutzeroberfläche auswertbar zur Verfügung gestellt werden.
Smart City mit konkretem Nutzen
Die Maßnahme zeigt, was Smart City in Jena konkret bedeutet: Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie soll dort unterstützen, wo reale Herausforderungen entstehen. Dem Projekt geht es um die Verbesserung der Vitalität der Stadtbäume, sensorbasierte Planungsgrundlagen und die Entlastung der Menschen, die sich täglich um das Stadtgrün kümmern.
Gerade jetzt, bei Temperaturen von bis zu 40 Grad, wird deutlich: Stadtgrün braucht Aufmerksamkeit, Pflege und neue Lösungen. Bodenfeuchtesensoren können dabei helfen, genauer hinzuschauen, besser zu entscheiden und Jena Schritt für Schritt klimaresilienter zu machen.