Digitalisierung braucht Zugänge: ProbierLaden bei Regionalkonferenz in Gera vorgestellt

vhs-Leiterin Dr. Angela Anding zeigt, wie digitale Grundbildung gesellschaftliche Teilhabe stärken kann

Je mehr Alltag, Kommunikation und öffentliche Dienstleistungen digital werden, desto wichtiger wird eine Frage: Was passiert mit den Menschen, die dabei Unterstützung brauchen?

Darum ging es auch bei einer Regionalkonferenz am 9. September in Gera, die sich insbesondere mit barrierefreier Kommunikation und gesellschaftlicher Teilhabe beschäftigte. Frau Dr. Angela Anding, Leiterin der Volkshochschule Jena, stellte dort den ProbierLaden vor: eine Maßnahme des Smart City Projekts Jena, die Menschen niedrigschwellig beim Umgang mit digitalen Geräten, Anwendungen und Fragestellungen unterstützt.

Die Diskussionen auf der Konferenz machten deutlich, dass digitale Grundbildung weit über die Frage hinausgeht, ob jemand ein Smartphone oder einen Computer bedienen kann. Wer sich im Internet nicht sicher bewegen kann, Schwierigkeiten beim Umgang mit digitalen Anwendungen hat oder Risiken beispielsweise beim Datenschutz nicht einschätzen kann, stößt zunehmend auf Barrieren im Alltag.

Besondere Aufmerksamkeit brauchen dabei Menschen, deren Zugang zu digitalen Angeboten durch körperliche, psychische oder sensorische Einschränkungen zusätzlich erschwert wird. Für Angela Anding gehört deshalb beides zusammen: Digitalisierung voranzutreiben und gleichzeitig Unterstützungsangebote mitzudenken.

„Es geht nicht, dass immer mehr Lebensbereiche alternativlos digitalisiert werden, ohne die Hilfen gleich mitzudenken“, betonte sie in Gera.

Ein analoger Ort für digitale Fragen

Genau an diesem Punkt setzt der ProbierLaden der Volkshochschule Jena an. Er versteht sich als Lern- und Erfahrungsraum für digitale Grundbildung. Menschen können dort ohne Termin vorbeikommen, eigene Fragen stellen, Geräte und Anwendungen selbst ausprobieren und kostenfreie Beratung oder Bildungsangebote nutzen. Der barrierefrei und zentral gelegene Ort soll bewusst niedrigschwellig sein und Hemmungen gegenüber digitalen Themen abbauen. 

Dabei geht es nicht nur darum, technische Probleme zu lösen. Entscheidend sind verlässliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, Beratung auf Augenhöhe und die Möglichkeit, auch mehrfach mit einer Frage wiederzukommen. Gerade dieses Konzept schafft Vertrauen und ermöglicht es Menschen, digitale Kompetenzen in ihrem eigenen Tempo aufzubauen. 

Ergänzt wird der ProbierLaden durch das ProbierMobil. Als aufsuchendes Angebot bringt es digitale Grundbildung dorthin, wo Menschen leben, und erreicht damit auch Zielgruppen, die ein stationäres Angebot nicht ohne Weiteres nutzen würden. 

Großes Interesse am Jenaer Ansatz

Gerade dieser praktische Ansatz stieß bei den Teilnehmenden der Regionalkonferenz auf großes Interesse. Im Anschluss an die Vorstellung entstanden zahlreiche Fragen und Gespräche. Dabei wurde nach Einschätzung von Angela Anding deutlich, dass vergleichbare niedrigschwellige Angebote auch in anderen Kommunen und Regionen auf Interesse stoßen.

Der Austausch mit Mitarbeitenden aus Kommunen und Trägereinrichtungen zeigte zugleich, wie ähnlich viele Herausforderungen sind: Digitale Angebote sollen möglichst vielen Menschen zugänglich sein, gleichzeitig unterscheiden sich Unterstützungsbedarfe stark. Umso wichtiger sind lokale Strukturen, die persönliche Hilfe, Bildung und digitale Teilhabe miteinander verbinden.

Dass das Konzept in Jena angenommen wird, zeigen auch die bisherigen Nutzungszahlen. Seit September 2024 wurden im ProbierLaden 5.150 Menschen in Einzelberatungen unterstützt; an Bildungsangeboten nahmen 1.413 Menschen teil. Das ProbierMobil erreichte weitere 740 Teilnehmende. 

Digitale Teilhabe als Teil der Smart City

Der ProbierLaden ist Teil der Smart-City-Strategie der Stadt Jena und wird im Rahmen des Modellprojekts Smart Cities gefördert. Zu seinen Erfolgsfaktoren gehören neben der niedrigschwelligen Ansprache und der professionellen medienpädagogischen Begleitung insbesondere verlässliche Öffnungszeiten, bedarfsgerechte Angebote und eine enge Vernetzung mit lokalen und regionalen Partnern. 

Die Vorstellung in Gera zeigt damit auch, dass die Erfahrungen aus dem Smart City Projekt über Jena hinaus relevant sind. Der ProbierLaden versteht digitale Grundbildung nicht als Zusatzangebot zur Digitalisierung, sondern als eine ihrer Voraussetzungen: Denn digitale Stadtentwicklung kann nur dann gesellschaftliche Teilhabe stärken, wenn Menschen nicht nur Zugang zu digitalen Angeboten haben – sondern auch die Möglichkeit, sie selbstständig, sicher und mit Vertrauen zu nutzen.