Wie viel digital tut Kindern gut?
Jena zeigt mit „Smarte Kitas“, wie Medienbildung schon bei den Jüngsten gelingt
Smart City Jena stellt Fortbildungsreihe beim Thüringer Fachtag für frühkindliche Bildung vor – großes Interesse aus anderen Kommunen und Kindertageseinrichtungen
Ein Video auf dem Smartphone, die Lieblingsserie auf dem Tablet oder gemeinsam Fotos anschauen: Digitale Medien gehören längst zum Familienalltag. Doch gerade wenn Kinder noch klein sind, stehen Eltern und pädagogische Fachkräfte vor vielen Fragen. Ab welchem Alter ist Mediennutzung sinnvoll? Wie viel Bildschirmzeit ist angemessen? Und wie können Kinder lernen, mit digitalen Medien verantwortungsvoll umzugehen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch das Smart City Projekt Jena. Mit der Fortbildungsreihe „Smarte Kitas“ unterstützt die Stadt pädagogische Fachkräfte dabei, Kinder altersgerecht an digitale Medien heranzuführen und Eltern im Umgang mit Smartphone, Tablet und Co. zu beraten.
Dass Jena damit ein wichtiges Thema aufgegriffen hat, zeigte sich am 7. Oktober 2026 beim 6. Thüringer Fachtag für frühkindliche Bildung in der Kindertagesbetreuung. Unter dem Motto „Gemeinsam gute Praxis gestalten – frühe Kindheit in der digitalen Welt“ kamen mehr als 100 Teilnehmende zusammen, um über Chancen, Herausforderungen und einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien in den ersten Lebensjahren zu diskutieren.
Nicht möglichst früh, sondern möglichst bewusst
Eine zentrale Botschaft des Fachtags: Digitale Bildung bedeutet nicht, dass schon die Kleinsten möglichst viel Zeit vor Bildschirmen verbringen sollen. Im Gegenteil. In den ersten drei Lebensjahren sollte die Nutzung von Bildschirmmedien möglichst vermieden werden. Auch danach kommt es darauf an, digitale Medien zeitlich begrenzt, altersgerecht und gemeinsam mit Erwachsenen zu nutzen.
Genau hier setzt „Smarte Kitas“ an. Die Fortbildungsreihe vermittelt pädagogischen Fachkräften, wie sie Medienbildung sinnvoll in den Kita-Alltag einbinden können. Dabei geht es nicht allein um technische Geräte, sondern vor allem um einen bewussten, sicheren und kreativen Umgang mit digitalen Medien.
Eine wichtige Rolle spielt auch die Zusammenarbeit mit den Eltern. Denn viele Fragen zur Mediennutzung entstehen zu Hause. Gut informierte pädagogische Fachkräfte können Familien Orientierung geben, Unsicherheiten aufgreifen und gemeinsam mit ihnen Wege für einen altersgerechten Medienumgang finden.
Was in Jena entwickelt wurde, soll auch anderen helfen
Auf dem vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur organisierten Fachtag stellten Bildungsmanagerin Stefanie Teichmann und Sandra Wiegand-Neumann, Fachberaterin für Kindertagesstätten und Koordinatorin von „Smarte Kitas“, das Jenaer Fortbildungskonzept vor.
Am Stand auf dem „Markt der Möglichkeiten“ kamen sie mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Thüringer Kommunen, Kitaträgern und pädagogischen Fachkräften ins Gespräch. Das Interesse war groß, insbesondere daran, wie sich die Erfahrungen aus Jena auf andere Einrichtungen übertragen lassen.
Denn die Fortbildungsreihe wurde nicht nur für Jena entwickelt. Die Stadt möchte ihre Erfahrungen auch weitergeben und zeigen, wie andere Kommunen und Kitaträger ähnliche Qualifizierungsangebote für pädagogische Fachkräfte und Mediencoaches aufbauen oder einzelne Bausteine übernehmen können.
"Mit Smart City konnten wir das Thema verantwortungsvolle Mediennutzung in der frühen Bildung frühzeitig aufgreifen. Der Fachtag hat uns darin bestärkt, diesen Weg weiterzugehen. Uns ist wichtig, dass pädagogische Fachkräfte Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien gewinnen und Eltern gut beraten können. Gleichzeitig freuen wir uns, wenn unsere Erfahrungen auch anderen Kommunen helfen“, sagt Stefanie Teichmann, Bildungsmanagerin und Teilprojektleiterin im Smart City Projekt Jena.
Smart City beginnt auch im Kindergarten
Das Beispiel „Smarte Kitas“ zeigt, dass Digitalisierung weit mehr ist als neue Technik. Sie betrifft auch die Frage, wie Kinder auf eine zunehmend digitale Welt vorbereitet werden, welche Unterstützung Familien brauchen und wie pädagogische Fachkräfte dabei begleitet werden können.
Mit der Fortbildungsreihe investiert Smart City Jena deshalb nicht in möglichst viel Bildschirmzeit, sondern in Wissen, Orientierung und einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien.
Und die Gespräche auf dem Thüringer Fachtag zeigen: Was in Jena erprobt wird, kann auch über die Stadtgrenzen hinaus Anregungen geben. Ganz im Sinne des Smart-City-Leitgedankens: Jena digitalisiert, lernt und teilt.