Crossen wird zum Vorreiter: Telemedizinraum soll Versorgung vor Ort stärken

Bürgerdialog zeigt große Offenheit für digitale Medizin – Erfahrungen aus Jena-Lobeda fließen in Umsetzung ein

In Crossen an der Elster nimmt ein zukunftsweisendes Projekt konkrete Gestalt an: Ein Telemedizinraum soll künftig dazu beitragen, die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern. Das Vorhaben wird gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt und knüpft an Erfahrungen aus dem Smarten Quartier Jena-Lobeda an, einem Teilprojekt des Smart City Projekts Jena.

Beim Bürgerdialog am Mittwoch, 29. April, wurde im Klubhaus intensiv darüber gesprochen, wie digitale Medizin in Crossen konkret funktionieren kann. Rund 30 Teilnehmende – darunter Bürgerinnen und Bürger, Hausärzte, die örtliche Apotheke sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen – brachten ihre Perspektiven, Erwartungen und Fragen ein. Im Mittelpunkt standen dabei besonders die Bedürfnisse älterer Menschen ab 60 Jahren, die künftig eine wichtige Nutzergruppe des Telemedizinraums sein sollen.

Für das Smart City Team der Stadt Jena ist dieser Beteiligungsprozess ein entscheidender Baustein. Teilprojektleiterin Olivia Busch betont: „Wir entwickeln hier kein Angebot an den Menschen vorbei. Der Telemedizinraum entsteht gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern in Crossen – mit ihren Fragen, ihren Erfahrungen und ihrem Alltag im Blick. Genau das ist wichtig, damit die Lösung später nicht nur technisch funktioniert, sondern auch wirklich genutzt wird.“

Auch die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass das Projekt Fahrt aufnimmt. Mehrere Fachärzte sind bereits fest eingeplant, darunter ein Orthopäde und ein Kardiologe. 

Bürgermeister Herbert Zimmermann sieht darin einen wichtigen Schritt für die Region: „Wir haben es geschafft, Fachärzte zu gewinnen, die sich klar zum Projekt bekennen. Das ist ein starkes Signal für Crossen und für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum.“

Der Telemedizinraum soll künftig ärztliche Videosprechstunden ermöglichen, begleitet von medizinischem Fachpersonal vor Ort. So können Untersuchungen unterstützt, Medikamente verordnet oder Überweisungen ausgestellt werden – ohne lange Anfahrtswege für die Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig bleibt klar: Bei akuten Beschwerden oder komplexen Untersuchungen ist weiterhin der klassische Arztbesuch, beispielsweise in Eisenberg, notwendig.

Der Bedarf in Crossen ist deutlich spürbar. Seit dem Ruhestand der langjährigen Hausärztin vor zwei Jahren fehlt vielen Bürgerinnen und Bürgern eine wohnortnahe medizinische Anlaufstelle. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das längere Wege und weniger direkte Betreuung. Der Telemedizinraum kann diese Versorgungslücke nicht vollständig ersetzen, aber gezielt entlasten und den Zugang zu medizinischer Beratung erleichtern.

Projektleiterin Mandy Steinbrück von der Jenergie macht deutlich, dass die Erfahrungen aus Jena-Lobeda zwar eine wichtige Grundlage bilden, die Umsetzung in Crossen aber eigenständig gedacht werden muss: „Wir greifen auf erprobte Ansätze zurück, übertragen sie aber nicht eins zu eins. Die Lösungen entstehen hier vor Ort – angepasst an die Lebensrealität der Menschen in Crossen.“

Der Bürgerdialog zeigte dabei eine klare Entwicklung: Aus anfänglicher Skepsis gegenüber digitaler Medizin wächst zunehmend Interesse und Offenheit. Viele Fragen konnten direkt besprochen werden – etwa zur Betreuung vor Ort, zur technischen Ausstattung und dazu, für welche medizinischen Anliegen der Telemedizinraum geeignet ist.

Wenn alles nach Plan läuft, soll im Herbst 2026 die erste Patientin oder der erste Patient im neuen Telemedizinraum in Crossen behandelt werden. Damit könnte Crossen zu einem wichtigen Beispiel dafür werden, wie digitale Lösungen die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sinnvoll ergänzen können.