Sieben Plätze nach vorn. Aber was haben wir in Jena eigentlich davon?

73 Punkte, Platz 47 von 83 deutschen Großstädten. Sieben Plätze besser als im vergangenen Jahr. Und Platz fünf unter den Städten unserer Größenklasse. Das klingt erst einmal nach ziemlich viel Ranking.

Spannender ist aber die Frage: Was bedeutet das eigentlich für die Menschen in Jena? Für jemanden, der morgens mit der Straßenbahn zur Arbeit fährt, einen Termin im Bürgeramt braucht, sein Kind zur Schule bringt oder wissen möchte, was gerade in seiner Stadt passiert? Genau darum geht es beim Smart City Index.

Es geht nicht darum, wie viele Computer im Rathaus stehen

Der Bitkom schaut sich fünf große Bereiche an: Verwaltung, Energie und Umwelt, IT und Kommunikation, Mobilität sowie Gesellschaft und Bildung.

Dahinter stehen ganz praktische Fragen. Kann ich einen Behördentermin online vereinbaren? Kann ich eine Verwaltungsleistung digital bezahlen? Bekomme ich aktuelle Informationen zu Bus und Bahn aufs Smartphone? Werden Daten genutzt, um Verkehr oder Wärmeversorgung besser zu planen? Und gibt es Unterstützung für Menschen, die mit Smartphone, Online-Banking oder digitalen Anträgen noch nicht so selbstverständlich umgehen?

Wenn Digitalisierung einen Behördengang spart

In Jena können inzwischen verschiedene Leistungen online erledigt und digital bezahlt werden. ePayBL und Wero gehören zu den angebotenen Bezahlmöglichkeiten. Termine lassen sich in mehreren Bereichen digital vereinbaren oder anfragen. Über den Mängelmelder können Hinweise aus dem Stadtgebiet online übermittelt und verfolgt werden.

Auch beim sogenannten digitalen Knöllchen wird ein ganz alltäglicher Vorgang einfacher: Ein QR-Code führt direkt zur Bezahlmöglichkeit.

Das sind keine großen Leuchtturmprojekte, aber genau solche Dinge machen im Alltag einen Unterschied. Wenn ein zusätzlicher Weg ins Amt entfällt, eine Zahlung direkt erledigt werden kann oder ein Antrag leichter zu finden ist, wird Digitalisierung ganz praktisch.

Manche digitale Lösungen sieht man gar nicht

Andere Entwicklungen laufen eher im Hintergrund. Jena nutzt zum Beispiel ein digitales Energiemanagement für kommunale Gebäude. Für die Wärmeplanung kommen digitale Daten und Modelle zum Einsatz. Sensoren liefern Informationen zur Luftqualität, zur Bodenfeuchte oder zu Umweltereignissen. Auch die Straßenbeleuchtung wird vielerorts adaptiv gesteuert und kann ihre Leistung anpassen.

Als Bürgerin oder Bürger bekommt man davon im Alltag vielleicht gar nicht viel mit. Trotzdem liegt genau darin ein Nutzen: Energie kann gezielter eingesetzt werden, Veränderungen lassen sich früher erkennen und langfristige Entscheidungen können besser vorbereitet werden.

Daten können eine Stadt verständlicher machen

Auch die WISSENsAllmende gehört in diesen Bereich. Hier geht es darum, Daten aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzuführen und besser nutzbar zu machen. Diese Daten sind auch mit dem Jenaer Kartenportal verknüpft.

Ein gutes Beispiel ist die Passantenfrequenzmessung in der Innenstadt. Sie hilft dabei zu verstehen, wie stark bestimmte Bereiche genutzt werden, wie sich Besucherströme verändern und welche Orte besonders frequentiert sind.

Solche Daten ersetzen keine politische Entscheidung und auch keine Erfahrung vor Ort. Sie können aber eine zusätzliche Grundlage dafür schaffen, Entwicklungen besser zu verstehen und Planungen fundierter zu machen.

Und dann gibt es Digitalisierung, bei der Menschen ganz direkt im Mittelpunkt stehen

Vielleicht ist das sogar der Bereich, den man am unmittelbarsten erlebt. Wer mit seinem Smartphone nicht weiterkommt, sich beim Online-Banking unsicher fühlt oder einfach einmal ausprobieren möchte, was künstliche Intelligenz eigentlich kann, kann in den ProbierLaden gehen. Ohne große Hürden, ohne Vorwissen und mit Menschen, die Fragen beantworten.

Das ProbierMobil bringt solche Angebote zusätzlich in die Stadtteile.

An Schulen unterstützt der Digitalagent dabei, dass digitale Technik nicht nur angeschafft, sondern auch sinnvoll eingesetzt wird. Und im JEDI treffen Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Studierende, Kinder und Stadtgesellschaft bei Workshops, Hackathons und Bildungsangeboten aufeinander.

Gerade hier zeigt sich ziemlich gut, was Smart City für Jena bedeutet: Es geht nicht nur um Technik. Es geht auch darum, ob Menschen Zugang dazu bekommen, ob sie Unterstützung finden und ob neue Ideen gemeinsam entwickelt werden können.

Auch unterwegs steckt längst viel Digitales drin

Wer in Jena mit Bus und Bahn fährt, nutzt viele digitale Angebote wahrscheinlich schon ganz selbstverständlich: Handytickets, Echtzeitinformationen über die App MeinJena der Stadtwerke Jena.

Auch Ampeln und Verkehrssteuerung werden digitaler. Ziel ist es, Verkehre besser aufeinander abzustimmen und Informationen schneller verfügbar zu machen.

Für die Menschen bedeutet das im besten Fall: weniger unnötiges Warten, verlässlichere Informationen und ein Verkehrssystem, das besser auf unterschiedliche Situationen reagieren kann.

Und warum brauchen wir dafür ein Ranking?

Eigentlich brauchen wir keinen Tabellenplatz, um zu wissen, ob eine Online-Anmeldung funktioniert oder jemand im ProbierLaden gute Unterstützung bekommt.

Trotzdem ist der Smart City Index hilfreich. Er gibt uns einen Blick von außen auf die eigene Entwicklung. Wo steht Jena im Vergleich mit anderen Städten? Was funktioniert schon gut? Wo sind andere weiter? Und an welchen Stellen gibt es noch Lücken?

Für Jena ist das Ergebnis deshalb beides: Bestätigung und Arbeitsauftrag. Besonders stark schneidet die Stadt bei Gesellschaft und Bildung ab. Auch Mobilität und Verwaltung gehören zu den stärkeren Bereichen. Mehr Potenzial zeigt sich dagegen bei Energie und Umwelt. Deshalb wäre es zu einfach, aus sieben Plätzen nach vorn nur eine Erfolgsmeldung zu machen.

Entscheidender ist, was von der digitalen Entwicklung tatsächlich im Alltag ankommt: ob Verwaltungswege einfacher werden, Bus und Bahn verlässlicher nutzbar sind, Daten bessere Entscheidungen ermöglichen oder Menschen im ProbierLaden Unterstützung bekommen, wenn die digitale Welt einmal nicht selbsterklärend ist.

Genau daran lässt sich für uns am Ende messen, ob Smart City funktioniert: nicht daran, wie viel Technik eine Stadt einsetzt, sondern daran, ob sie den Menschen etwas bringt.


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