Plattform für gute Praxis: Netzwerk für digitale Schule tagt am Otto-Schott-Gymnasium
Beim dritten Vernetzungstreffen am Otto-Schott-Gymnasium trafen Jenaer Schulen auf Partner aus Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft. Aus einem jährlichen Treffen ist inzwischen ein Netzwerk geworden, in dem Kontakte zu konkreter Unterstützung werden können.
Wer digitale Bildung an einer Schule voranbringen möchte, muss nicht immer bei null anfangen. Manchmal gibt es den passenden Workshop schon. Den außerschulischen Lernort auch. Vielleicht sogar ein Unternehmen, eine Initiative oder eine Hochschule, die genau zu der Idee passt, die im Kollegium gerade diskutiert wird.
Die eigentliche Herausforderung ist oft eine andere: Man muss voneinander wissen.
Genau darum ging es beim dritten Vernetzungstreffen Jenaer Schulen zum Thema Digitalisierung am 10. September 2026 im Otto-Schott-Gymnasium. Zahlreiche Lehrkräfte kamen zusammen, um Angebote kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und vor allem mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die Schulen bei digitalen und medienpädagogischen Themen unterstützen können.
Beim dritten Vernetzungstreffen von Digitalagent Christoph Voigt (Mitte) am Otto-Schott-Gymnasium wurde sichtbar, worum es im Netzwerk geht: Menschen zusammenbringen, Erfahrungen teilen und neue Kooperationen für digitale Bildung an Jenaer Schulen anstoßen.
Und dieses Mal ließ sich vieles davon direkt vor Ort entdecken.
17 Aussteller – und viele mögliche Antworten auf die Frage: Wer kann uns helfen?
Neu beim dritten Treffen war der „Markt der Möglichkeiten“. 17 Ausstellerinnen und Aussteller aus Jena und der Region brachten Angebote aus Medien und Medienpädagogik, Künstlicher Intelligenz, MINT, Gaming, Forschung und Kultur mit.
Lehrkräfte konnten digitale Werkzeuge ausprobieren, Unterrichtsideen kennenlernen und ganz konkret fragen: Passt das zu meiner Schule? Können wir daraus ein gemeinsames Projekt machen? Wer ist dafür mein Ansprechpartner?
Das Spektrum reichte von Materialien und Workshops über Beratungsangebote und außerschulische Lernorte bis hin zu möglichen längerfristigen Kooperationen.
Dass das Treffen dieses Mal am Otto-Schott-Gymnasium stattfand, war deshalb mehr als eine reine Ortswahl. Auch die Schule selbst nutzte die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen – und für einen Austausch zu werben, von dem Schulen nicht nur einzeln, sondern gemeinsam profitieren können.
„Schule kann die Anforderungen der digitalen Transformation nicht allein bewältigen. Wir brauchen den Austausch untereinander, aber ebenso Partner außerhalb von Schule, die neue Perspektiven, Fachwissen und konkrete Angebote einbringen. Deshalb freuen wir uns sehr, dass dieses dritte Netzwerktreffen bei uns stattfindet und dabei auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft mit Schulen ins Gespräch kommen. Ein Digitalagent, der solche Verbindungen herstellt und Schulen dabei unterstützt, passende Partner zu finden, ist aus meiner Sicht eine enorme Bereicherung für die Jenaer Schullandschaft. Ehrlich gesagt bräuchten alle Schulen eine solche Unterstützung“, betont Christian Herrmann, Schulleiter des Otto-Schott-Gymnasiums.
Vieles ist vorhanden. Aber findet es auch den Weg in die Schulen?
Genau an dieser Stelle setzt die Arbeit von Christoph Voigt an. Als Digitalagent im Smart City Projekt Jena bringt er Schulen mit möglichen Partnern zusammen, macht Angebote sichtbar und unterstützt dabei, aus einer Idee einen konkreten nächsten Schritt zu entwickeln.
Gemeinsam mit einem Team der Fachberatung Medienkunde des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) organisierte er das dritte Vernetzungstreffen federführend.
Denn in Jena gibt es bereits zahlreiche Angebote und Kompetenzen rund um digitale Bildung. Doch die nützen einer Schule wenig, wenn sie nichts davon weiß.
„In meiner Arbeit als Digitalagent erlebe ich immer wieder, dass Schulen sehr konkrete Ideen oder Bedarfe haben, aber nicht automatisch wissen, welche Angebote es dafür bereits gibt und wer der passende Ansprechpartner sein könnte. Genau an dieser Stelle setzt das dritte Vernetzungstreffen Digitalisierung und Schule in Jena an. Wir bringen Schulen mit Akteuren aus Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, machen Möglichkeiten sichtbar und helfen dabei, aus einem ersten Kontakt eine konkrete Zusammenarbeit zu entwickeln. Dass so viele Lehrkräfte diese Gelegenheit nutzen, freut mich einerseits natürlich sehr und zeigt mir andererseits eben auch, wie groß der Bedarf an solchen Formaten ist“, sagt Christoph Voigt.
Wenn Schule und digitale Wirtschaft einander kennenlernen
Eine wichtige Rolle spielte in diesem Jahr auch die Zusammenarbeit mit Jena Digital e. V.
Gemeinsam mit Christoph Voigt brachte Domenique Dölz, Smart City Teilprojektleiter und Clustermanager Digitale Wirtschaft & Wissenschaft, weitere Kontakte aus der Jenaer Wirtschaft in das Netzwerk ein. Beide eröffneten die Veranstaltung mit einem Impuls zu Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Akteuren der Medienbildung.
Dabei ging es weniger um abstrakte Netzwerkstrukturen als um eine sehr praktische Frage: Wie finden Schulen genau die Partner, die zu ihren Ideen und Bedarfen passen?
Und vor allem: Wie wird aus einem ersten Kennenlernen mehr als ein ausgetauschter Kontakt?
Ziel ist, vorhandene Angebote aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medienbildung leichter zugänglich zu machen und Kooperationen entstehen zu lassen, die Schulen langfristig unterstützen, Lehrkräfte entlasten und Schülerinnen und Schülern zusätzliche Lernmöglichkeiten eröffnen.
Auf dem anschließenden Markt der Möglichkeiten wurde genau das greifbar.
Mit dabei waren unter anderem das DLR_School_Lab Jena, witelo, die Lichtwerkstatt Jena, Angebote der Ernst-Abbe-Hochschule rund um Künstliche Intelligenz, Radio OKJ, Jena eSports und der ProbierLaden der Volkshochschule Jena.
Auch Unternehmen und Start-ups präsentierten ihre Ideen. PlayInsight Studios aus Jena zeigte beispielsweise, wie sich Lehrplaninhalte spielerisch auf den Bildschirm bringen lassen.
So wurde aus „Was gibt es eigentlich?“ ziemlich schnell ein „Das könnten wir an unserer Schule ausprobieren“.
Aus einem Treffen ist eine Community geworden
Dass inzwischen das dritte Vernetzungstreffen stattgefunden hat, zeigt noch etwas anderes: Das Format hat sich verändert.
Es geht längst nicht mehr nur darum, einmal im Jahr neue Ideen mitzunehmen und anschließend wieder auseinanderzugehen. Zwischen den Schulen selbst ist ein Netzwerk entstanden, in dem Wissen weitergegeben, Erfahrungen geteilt und Fragen gemeinsam diskutiert werden können.
Denn viele Herausforderungen ähneln sich, auch wenn jede Schule am Ende ihren eigenen Weg gehen muss.
„In Jena ist im Bereich der digitalen Bildung bereits viel in Bewegung. Aus Sicht der Medienfachberatung ist aber ebenso wichtig, dass gute Erfahrungen nicht an einzelnen Schulen bleiben. Solche Veranstaltungen schaffen dafür eine wichtige Struktur: Lehrkräfte sehen, dass andere vor ähnlichen Herausforderungen stehen, können voneinander lernen und erfolgreiche Ansätze weitergeben. Inzwischen ist daraus eine eigene Community entstanden, die sich gegenseitig berät und unterstützt. Genau dieser Austausch ist für eine nachhaltige Medienbildung unverzichtbar“, sagt Ilona Gregor, Fachberaterin für Medienkunde.
In dieser Funktion begleitet und koordiniert sie medienpädagogische Fortbildungsangebote im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK), das unter anderem für das Thüringer Schulportal und die damit verbundenen Angebote der Medienbildung verantwortlich ist.
Von Lehrkräften für Lehrkräfte
Wie wertvoll dieser Austausch sein kann, zeigte sich auch in den anschließenden Workshops.
Hier standen nicht theoretische Konzepte im Mittelpunkt, sondern Erfahrungen aus dem Schulalltag. Unter dem Prinzip „Von Lehrkräften für Lehrkräfte“ ging es darum, was sich bereits bewährt hat:
Welche digitalen Methoden funktionieren im Unterricht? Welche Erfahrungen können Kolleginnen und Kollegen weitergeben? Welche Lösung, die an einer Schule funktioniert, könnte vielleicht auch einer anderen helfen?
Damit schloss sich am Ende der Kreis. Denn digitale Bildung entsteht nicht allein durch Geräte, Software oder neue Technologien. Sie entsteht dort, wo Menschen wissen, wen sie fragen können, Erfahrungen weitergeben und bereit sind, voneinander zu lernen.
Und manchmal beginnt eine neue Kooperation eben nicht mit einem großen Konzept, sondern mit einem Gespräch auf einem Markt der Möglichkeiten.
Das dritte Vernetzungstreffen wurde in enger Zusammenarbeit mit Jena Digital e. V. sowie den Fachberaterinnen und Fachberatern für Medienkunde des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) Ilona Gregor, Olaf Heinrich und Tobias Reichard veranstaltet.