Sieben Plätze nach vorn – und was dahinter steckt
Jena verbessert sich im Smart City Index 2026. Doch spannender als der Tabellenplatz ist die Frage, was digitale Stadtentwicklung im Alltag eigentlich bedeutet.
73,0 Punkte. Rang 47 von 83 deutschen Großstädten. Sieben Plätze besser als im Vorjahr. Und Platz fünf unter den Städten mit 100.000 bis 149.999 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Das sind die Zahlen des Smart City Index 2026 für Jena.
Aber was erzählen sie über eine Stadt?
Der Digitalverband Bitkom untersucht mit seinem jährlichen Ranking, wie weit die Digitalisierung in deutschen Großstädten vorangeschritten ist. Dabei geht es längst nicht nur darum, wie viele Verwaltungsleistungen online verfügbar sind. Bewertet werden Verwaltung, Energie und Umwelt, Mobilität, IT und Kommunikation sowie Gesellschaft und Bildung.
Gerade in letzterem Bereich schneidet Jena stark ab. Und hinter dieser Kategorie stehen ganz konkrete Orte, Projekte und Menschen.
Wenn aus Digitalisierung Alltag wird
Wer den ProbierLaden am Engelplatz betritt, kommt selten mit der Frage: „Wie digital ist eigentlich Jena?“
Die Fragen sind sehr viel konkreter. Wie funktioniert das neue Smartphone? Ist Online-Banking sicher? Was kann künstliche Intelligenz eigentlich und wie gehe ich damit um?
Genau darin liegt ein Teil des Jenaer Smart-City-Verständnisses: Digitalisierung soll nicht abstrakt bleiben. Sie muss verständlich werden, ausprobiert werden können und Menschen dabei unterstützen, digitale Möglichkeiten selbstständig zu nutzen. Der ProbierLaden hat sich dafür zu einer stark nachgefragten Anlaufstelle entwickelt.
Ein paar Straßen weiter verfolgt das JEDI einen anderen Ansatz – mit derselben Grundidee. Hier treffen Stadtgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Nachwuchs aufeinander. Workshops, Hackathons und Veranstaltungen schaffen Raum, um neue Technologien kennenzulernen, Ideen weiterzuentwickeln und Menschen miteinander zu vernetzen.
Digitale Stadtentwicklung braucht eben nicht nur Technik. Manchmal braucht sie auch eine Tür, durch die man einfach hineingehen kann.
Daten, die etwas über die Stadt erzählen
Andere Smart-City-Projekte sind im Alltag weniger unmittelbar sichtbar, bilden aber wichtige Grundlagen.
Mit der WISSENsAllmende entwickelt Jena eine städtische Dateninfrastruktur, über die Informationen gebündelt, miteinander verknüpft und für unterschiedliche Anwendungen nutzbar gemacht werden können.
Wie daraus konkreter Nutzen entstehen kann, zeigt unter anderem die Passantenfrequenzmessung in der Innenstadt. Sie liefert Erkenntnisse darüber, wie öffentliche Räume genutzt werden und wie sich Besucherströme verändern. Aus Daten entsteht so Wissen, das bei Stadtentwicklung und Planung unterstützen kann.
Damit spannt Smart City Jena einen weiten Bogen: von Dateninfrastruktur und Sensorik bis zur persönlichen Beratung im ProbierLaden, von technischen Anwendungen bis zu Orten für Austausch und Innovation.
„Dass Jena gerade bei Gesellschaft und Bildung stark aufgestellt ist, passt sehr gut zu unserem Verständnis von Smart City“, sagt Dorothea Prell, Smart City Beauftragte und Gesamtprojektleiterin der Stadt Jena. „Entscheidend ist für uns nicht, möglichst viele digitale Projekte zu produzieren. Wir wollen Strukturen schaffen, die dauerhaft funktionieren, Menschen erreichen und einen konkreten Nutzen für die Stadt haben.“
Warum ein Ranking trotzdem wichtig ist
Genau hier kommt der Smart City Index ins Spiel. Ein Ranking kann die Entwicklung einer Stadt nie vollständig abbilden. Hinzu kommt, dass Bitkom Methodik, Kriterien und Datenquellen regelmäßig weiterentwickelt. Die sieben Plätze nach vorn lassen sich deshalb nicht einfach mit einer ebenso großen Steigerung der tatsächlichen digitalen Leistungsfähigkeit gleichsetzen.
Trotzdem ist der Vergleich wertvoll. Er bietet Jena eine Außenperspektive: Wo steht die Stadt im bundesweiten Vergleich? Wo liegen Stärken? In welchen Bereichen sind andere Städte weiter? Und welche Themen gewinnen deutschlandweit an Bedeutung?
Der Blick ist dabei nicht nur für die Verwaltung interessant. Digitale Infrastruktur, moderne Verwaltungsleistungen, Mobilität, Bildungsangebote und ein innovationsfreundliches Umfeld gehören zunehmend auch zur Qualität eines Standortes. Sie spielen für Bürgerinnen und Bürger ebenso eine Rolle wie für Unternehmen, Wissenschaft, Fachkräfte oder mögliche Kooperationspartner.
Bürgermeister und Digitaldezernent Benjamin Koppe sieht das Ergebnis deshalb als Bestätigung und Auftrag zugleich: „Sieben Plätze nach vorn und Platz fünf unter den Städten unserer Größenklasse sind ein starkes Signal. Für uns ist aber nicht der Platz im Ranking das eigentliche Ziel. Entscheidend ist, dass Digitalisierung bei den Menschen ankommt, den Alltag erleichtert und gute Rahmenbedingungen für einen modernen Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort schafft.“
Und vielleicht ist genau das die wichtigere Geschichte hinter Rang 47: Digitalisierung zeigt sich nicht nur in Punkten und Platzierungen. Sondern darin, ob aus Daten Wissen wird, aus Technik ein Werkzeug – und aus einem digitalen Projekt etwas, das im Alltag der Stadt bleibt.
Grund zur Freude bei Dorothea Prell, Gesamtprojektleiterin Smart City, und Bürgermeister und Digitalisierungsdezernent Benjamin Koppe: Jena verbessert sich im Smart City Index 2026 um sieben Plätze und erreicht in seiner Größenklasse Rang fünf.