Digitale Beteiligung weiterdenken: Impulse von der CONSULCon für Jena

Wie können digitale Beteiligungsangebote verständlicher werden? Welche Rolle kann Künstliche Intelligenz dabei spielen? Und wie gelingt Beteiligung, wenn Menschen völlig unterschiedliche Positionen vertreten und sich ein Konsens nicht herstellen lässt?

Genau um solche Fragen ging es bei der CONSULCon 2026 in München. Am 16. und 17. September war auch die Stadt Jena bei der internationalen Fachkonferenz rund um digitale Bürgerbeteiligung und die Weiterentwicklung der Open-Source-Plattform CONSUL vertreten.

Für Jena ist dieser Austausch besonders relevant: Mit mitmachen.jena.de verfügt die Stadt bereits über eine digitale Beteiligungsplattform auf Basis von CONSUL. Umso wichtiger ist der Blick darauf, wie andere Kommunen Beteiligung gestalten, welche neuen technischen Möglichkeiten entstehen und was davon für Jena sinnvoll weitergedacht werden kann.

Wenn KI Beteiligung einfacher macht

Ein Schwerpunkt der Konferenz lag auf der Frage, wie Künstliche Intelligenz digitale Beteiligungsplattformen unterstützen kann. In der Session „CONSUL & AI: Making the Platform More Inclusive, Accessible and Effective“ wurde gezeigt, welche Möglichkeiten derzeit für CONSUL entwickelt und erprobt werden.

Dabei geht es nicht darum, Beteiligung zu automatisieren. Vielmehr kann KI dabei helfen, Zugänge zu erleichtern: etwa durch Übersetzungen, verständlichere Inhalte oder neue Möglichkeiten, größere Mengen an Beiträgen thematisch zu strukturieren.

Für die Weiterentwicklung von mitmachen.jena.de sind solche Ansätze besonders interessant. Denn digitale Beteiligung funktioniert nur dann gut, wenn möglichst viele Menschen sie verstehen, nutzen und sich mit möglichst wenigen Hürden einbringen können.

Beteiligung muss nicht im Konsens enden

Mindestens ebenso wichtig wie die technische Seite ist die Frage, wie Beteiligungsverfahren mit unterschiedlichen oder sogar gegensätzlichen Positionen umgehen.

Der Workshop „No Either–Or: From Platform Conflict to Workable Outcomes – Participation Without Forced Consensus“ setzte genau dort an: Was passiert, wenn sich Interessen nicht miteinander vereinbaren lassen? Und wie können Verfahren trotzdem zu nachvollziehbaren und umsetzbaren Ergebnissen führen?

Der Ansatz ist für kommunale Beteiligung besonders relevant. Denn Beteiligung bedeutet nicht zwangsläufig, dass am Ende alle einer Meinung sein müssen. Entscheidend ist vielmehr, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten und Verfahren so zu gestalten, dass Entscheidungen nachvollziehbar bleiben.

Von Nairobi nach Jena

Dass digitale Beteiligung keine rein europäische Aufgabe ist, zeigte der Blick nach Nairobi. Dort werden digitale und analoge Beteiligungswege miteinander verbunden, um mehr Menschen zu erreichen und Beteiligungsprozesse zugänglicher und effizienter zu gestalten.

Solche internationalen Beispiele erweitern den Blick auf die eigene Praxis. Nicht jedes Modell lässt sich eins zu eins auf eine andere Kommune übertragen. Aber die Fragen dahinter sind häufig dieselben: Wen erreichen wir? Wer bleibt bislang außen vor? Welche digitalen Angebote erleichtern Beteiligung und wo braucht es weiterhin persönliche und analoge Zugänge?

Genau dieser Austausch gehört zu den Stärken einer internationalen Open-Source-Community: Erfahrungen, Lösungen und auch Schwierigkeiten werden geteilt, anstatt sie an jedem Ort neu zu bearbeiten.

Gute Beteiligung entwickelt sich weiter

Für Jena brachte die CONSULCon deshalb nicht nur Einblicke in neue technische Entwicklungen, sondern vor allem konkrete Impulse für die weitere Arbeit an der digitalen Bürgerbeteiligung.

KI-Unterstützung, Barrierefreiheit und Verständlichkeit, der konstruktive Umgang mit Konflikten sowie die Verbindung digitaler und analoger Formate gehören zu den Themen, die auch bei der Weiterentwicklung von mitmachen.jena.de eine Rolle spielen können.

Denn eine gute Beteiligungsplattform ist nie einfach fertig. Sie entwickelt sich mit den Anforderungen der Menschen, die sie nutzen und mit den Erfahrungen, die Kommunen miteinander teilen.

Gruppe von vielen Menschen stehen auf einer Treppe und lächeln in die Kamera.

Teilnehmende der CONSULCon 2026 in München: Jena war auf der internationalen Fachkonferenz rund um digitale Bürgerbeteiligung und die Weiterentwicklung der Open-Source-Plattform CONSUL vertreten.