Digitalisierung im Gesundheitswesen - Erprobung von Gesundheitsapartments

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Einblick in ein Gesundheitsapartments im Smarten Quartier Jena-Lobeda
Einblick in ein Gesundheitsapartment im 

Smarten Quartier Jena-Lobeda

Stadt Jena

Die Digitalisierung hat Einzug in alle Lebensbereiche gehalten, so auch in den Bereich der Gesundheitsversorgung. Es gibt bereits zahlreiche Anwendungsbeispiele, wie die Digitalisierung die Art und Weise der Gesundheitsdienstleistungen ergänzt. Im heutigen Digitalen Donnerstag möchten wir Ihnen dies anhand der Gesundheitsapartments im Smarten Quartier Jena-Lobeda erläutern.

Pflege und Gesundheit erfahren digitale Innovationen

Einen kurzen Einblick zur Digitalisierung in der Pflege haben Sie bereits im Digitalen Donnerstag „Digitalisierung in der Pflege - Vorteile für Pflegekräfte, Ärzt:innen und Patient:innen“ bekommen. Es gibt jedoch noch viele weitere Beispiele für die Anwendung digitaler Technologien im Bereich Pflege und Gesundheit.

Das Projekt der Stadtwerke zum „Smarten Quartier Jena-Lobeda“ stellt ein Reallabor dar, in dem verschiedene neue digitale Technologien, smarte Anwendungen und Dienstleistungen zu den Themen Lebensqualität, Wohnen, Energie, Mobilität und Gesundheit erprobt werden. Dabei unterstützt das durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) geförderte Modellprojekt Smart City der Stadt Jena in dem Quartier die Umsetzung von drei Teilmaßnahmen: die Einrichtung und den Betrieb von zwei Gesundheitsapartments und eines Telemedizinraums sowie die Gestaltung des Wohnumfeldes im Quartier (smarte Fassadenbegrünung).

Gesundheitsapartments als neue Alternative

Patient:innen werden in der Regel während ihrer Genesung in Krankenhäusern, nachfolgenden Behandlungseinrichtungen oder Pflegeheimen untergebracht, wenn sie (noch) nicht in das eigene Zuhause entlassen werden können. Gesundheitsapartments stellen unter bestimmten Voraussetzungen eine Alternative dar, die sowohl die Gesundheit als auch die Lebensqualität der Patient:innen verbessern kann.

Im Smarten Quartier in Jena stehen die Gesundheitsapartments verschiedenen Patientengruppen zur Verfügung. So können ambulante oder teilstationäre Patient:innen des Universitätsklinikums Jena oder anderer Behandlungseinrichtungen hier zeitweise wohnen und z. B. die (ambulante) ärztliche Versorgung in der Nähe bzw. perspektivisch über den Telemedizinraum (Telemedizin) in Anspruch nehmen.

Auch für Patient:innen, die nach einem stationären Aufenthalt auf eine Anschlussheilbehandlung warten oder Patient:innen in der Überleitpflege können die Gesundheitsapartments eine geeignete Wohnform sein. Sie stellen ein Kurzzeit-Versorgungsangebot zwischen Krankenhausaufenthalt und eigenem Zuhause oder nachfolgenden Behandlungsaufenthalten dar.

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Einblick in den Schlafbereich eines Gesundheitsapartments im Smarten Quartier Jena-Lobeda
Einblick in ein Gesundheitsapartment im 

Smarten Quartier Jena-Lobeda

Stadt Jena

Gemütliches, ruhiges und privates Umfeld

Dabei bieten sie ein gemütliches, ruhiges und privates Umfeld (statt Krankenhauszimmer), das dem Gefühl von „zu Hause“ näher kommt, und zudem die Möglichkeit, Angehörige der Patient:innen mit unterzubringen und in die Pflege einzubeziehen. Mehr Platz, Privatsphäre und die Nähe und Unterstützung der Angehörigen tragen zur psychischen und emotionalen Stabilität der Patient:innen bei und fördern eine schnellere Genesung.

Barrierearme Einrichtung

Um möglichst vielen Patient:innen mit verschiedenen Bedürfnissen einen Aufenthalt zu gewährleisten, ist die Einrichtung barrierearm und mit einer hochfunktionalen und innovativen Ausstattung versehen, die eine pflegerische, telemedizinische sowie telephysiotherapeutische Betreuung ermöglicht (u. a. Smart-Home-Ausstattung mit Sprachsteuerung, Pflegebetten, höhenverstellbare Küche, Notfallsystem, anmietbarer E-Rollstuhl, evtl. Unterstützungs- und Informationsroboter, Telemedizinraum).

Im Sommer 2023 eröffneten die beiden Gesundheitsapartments im Smarten Quartier Jena-Lobeda. In der ersten Pilotphase wird deren Betrieb und Einrichtung aus dem Smart City Projekt Jena gefördert. Aufgabe des Projektteams ist es nun, die Gesundheitsapartments bis 2027 im Hinblick auf Strukturen, Abläufe, Ausstattungsmerkmale sowie rechtliche Rahmenbedingungen so zu entwickeln, dass deren Betrieb nach Auslaufen der Förderung fortgesetzt wird und daraus ein Modell für die Nachnutzung und Übertragung entstehen kann. Seit Inbetriebnahme der Gesundheitsapartments sind beide Apartments voll ausgelastet und das Feedback der Patient:innen ist durchgehend positiv.

Telemedizin als Erprobungsraum entwickeln

Patient:innen, die in den barrierearm ausgestatteten Gesundheitsapartments untergebracht sind, aber auch andere Bewohner:innen im Quartier bzw. darüber hinaus, können die Angebote im Telemedizinraum nutzen. Hierfür wird ein spezieller Raum im Quartier mit innovativer Ausstattung und smarter Medizintechnik eingerichtet. Dies soll nicht nur den Zugang zur Gesundheitsversorgung verbessern, sondern auch die Belastung der Arztpraxen und Krankenhäuser reduzieren.

Der Telemedizinraum soll ein Erprobungsraum für die Etablierung einer telemedizinischen Anwendung unter Einbezug aller relevanten Akteur:innen (Ärzt:innen, Therapeut:innen, Beratungskräfte, Physiotherapeut:innen, Krankenkassen, Apotheken, Universitätsklinikum, medizinisches/pflegerisches Personal, Bürger:innen) werden. Dabei werden in der Pilotphase Synergieeffekte zwischen den Gesundheitsapartments und dem Telemedizinraum im Smarten Quartier und der telemedizinischen Anbindung des Universitätsklinikums genutzt.

Ähnlich wie bei den Gesundheitsapartments ist hier das Ziel, dieses Versorgungsformat soweit zu entwickeln, dass es im Hinblick auf wirtschaftliche Tragfähigkeit, Funktionalität und Praktikabilität als Modell  auf andere Städte und Regionen übertragen werden kann.

Ausblick

Die Digitalisierung bietet zweifellos immense Chancen für die Gesundheitsbranche, birgt jedoch auch Herausforderungen, insbesondere im Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit. Es ist von entscheidender Bedeutung, strenge Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren, um Patientendaten vor unbefugtem Zugriff zu schützen. Mehrere Forschungsprojekte wie zum Beispiel „Digitale Avatare in Medizin und Pflege“ sowie „Nemo“ (Nicht-Identifizierbarkeit von Elektroenzephalogrammen (EEG) und vergleichbaren Sensorsignalen aus medizinischer Versorgung für Open Science) widmen sich bereits solchen Fragestellungen. Die Antworten können wichtige Impulse für unser Projekt in Jena liefern. 

Insgesamt befindet sich die Gesundheitsbranche inmitten einer digitalen Transformation, die die Patientenversorgung effizienter und zugänglicher gestalten soll. Die Zukunft der Gesundheitsversorgung wird zweifellos von innovativen digitalen Technologien geprägt sein, die dazu beitragen sollen, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.

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